Fotoreportage über Meidling

17. April 2012

Im Rahmen des Aktionstages „Wien lebt – Vielfalt Stadt Einfalt“ wird am 27. April das Meidlinger Platzl Schauplatz einer Vernissage mit Fotos rund ums Thema “Meidling” sein. Unter anderem wird es auch Aufnahmen aus unserem Club zu sehen geben: Vom letzten Spieltag des 24. SCA Wolfmayer Cup und unserem Abschlussfest. Ein Besuch lohnt sich!

Fotoausstellung „Vielfalt12“ (11:30 bis 18:30 Uhr)
Menschen aus Meidling im Portrait
Sebastian Philipp

vielfalt-stadt-einfalt
www.sebastianphilipp.com

Mr. Bean in Linz!!

13. März 2012

Die Sensation ist perfekt: Mr. Bean in Linz!!

Teil 1

Als ich die Teilnehmerliste studierte, stieß ich auf den Namen Rowan Atkinson, und mir schien als hätte ich ihn schon einmal wo gehört oder gelesen. Und dann sah ich ihn, zum ersten Mal persönlich, ihn, und wusste: Er war es, ER, besser bekannt unter dem Namen seiner Rolle, die ihn berühmt gemacht hat: Mister Bean!
    Mr. Bean als Teilnehmer am LINZ-OPEN 2003: Die Sensation war perfekt!! Waren damit aber nicht auch gleichermaßen “Turbulenzen” voraussehbar? War das kommende Unheil nicht geradezu vorprogrammiert?
    Und es war in der Tat der “gute alte” Bean, wie wir ihn vom Fernsehen her kennen, der sich da im Turniersaal präsentierte, voll der tollsten Einfälle, Verrücktheiten, Grimassenschneidereien, er ließ keinen Gag aus, er trat in jedes nur erdenkliche Fettnäpfchen, solange er da war, war der Bär los, sämtliche Bären des Bärentales waren los, sogar jene von uns, die weit entfernt von ihm saßen, waren Betroffene, denn jeder sah des öfteren zu seinem Tisch hinüber: Was hat er sich für heute wieder vorgenommen? Was wird er diesmal wieder anstellen? Ich selbst habe bei weitem nicht alles mitbekommen, aber viel über seine Leistungen gehört, er war ja das Gesprächsthema Nr.1 bis zum Ende des Turniers, also noch zu einem Zeitpunkt, wo er längst nicht mehr unter uns weilte. Die unmittelbaren Zeugen allerdings, seine Gegenspieler, schwiegen sich aus: Der Schock saß zu tief.
    Ich kann wirklich nur einige seiner Streiche erwähnen, sie alle aufzuzählen würde den Rahmen der Zeitung sprengen.
    Es scheint schon während der ersten Partie damit losgegangen zu sein, dass Bean begann, das Brett mit ungläubigem Staunen zu betrachten, ja man könnte ruhig sagen: es blöd anzuglotzen, als habe er Derartiges noch nie gesehen. Er besah es sich mit links schiefgeneigtem Kopf, dann von rechts, er ging in die Hocke, um es von unten zu beäugen, richtete sich auf, um es aus der Vogelperspektive auf sich wirken zu lassen, er streifte mit den Nasenflügeln die Steine; und das alles in einer auffälligen, sehr aufdringlichen, nicht nur seinen Gegenspieler sondern auch die Spieler der benachbarten Bretter irritierenden Art. Ja, er soll sogar den Versuch unternommen haben, das Brett aufzuheben, wohl um zu erkunden, ob und was sich darunter befände.
    Jedesmal bevor Bean zog, streifte er einen Handschuh über, den er nach getanen Zug ausbeutelte, was eine mittelgroße Staubwolke hervorrief.
    Er hatte auch zwei winzige Schaukelpferde mitgebracht, die er (vergeblich) versuchte, gegen seine Springer auszutauschen, und immer wenn ein Springer zog, hat man ein fröhliches Wiehern im Saal vernommen, dessen Herkunft Bean zugeschrieben wurde – er hat nun einmal einen bestimmten Ruf.
    Erfinderisch wie er ist, hat er probiert, mit Dame und Läufer groß zu rochieren, seinen Läufer, der vor der Dame stand, hinter dieselbe zu bringen, um solcherart besser matt drohen zu können, was sein Gegner allerdings nicht akzeptierte.
    Dann wieder schien er von der fixen Idee wie besessen, sich genau den gleichen Blickwinkel auf das Schachbrett verschaffen zu wollen, wie ihn sein Kontrahent hatte. Um so dessen künftige Züge besser erraten zu können? Wer weiß schon genau, was ein Mr. Bean sich denkt. Er nahm also knapp hinter dessen Stuhl Aufstellung, stellte sich auf die Zehenspitzen, beugte sich weit nach vorn, aber der Kopf des anderen verwehrt ihm die freie Sicht, und als er daranging, sich auf den Schulter des vor ihm Sitzenden aufzustützen – sprang dieser wutentbrannt auf (es war kein Geringerer als der bekannte Ungarische Meister Imre Balogh) rannte zum Schiedsrichter und soll mit seiner Abreise gedroht haben, “wenn sie nicht imstande sind, dem Treiben dieses gemein – gefährlichen Narren Einhalt zu gebieten.” (Wörtliches Zitat). Der Schiedsrichter hat lange und beruhigend auf ihn eingeredet, vielleicht hat er versucht, Balogh klarzumachen, dass es sich bei Mr. Bean um kein menschliches Wesen im herkömmlichen Sinne handelt und daher um keinen Schachspieler im herkömmlichen Sinne. Schließlich gelang es dem Schiri, Balogh zum Weiterspielen zu bewegen, doch als der zu seinem Brett zurückkam, hatte Bean es inzwischen um 45° gedreht (manche sprachen von 90° Grad, was aber nicht stimmen kann, weil es jetzt mit je einer Ecke spitz zu den Spielern wies.) Balogh, der nicht schon wieder reklamieren wollte, rückte das Brett zurecht, was Bean augenscheinlich in tiefen Frust versetzte. Doch bald hellte sich seine Miene auf, sein Antlitz nahm einen pfiffigen Ausdruck an und in mühevoller Kleinarbeit, Millimeter um Millimeter, Balogh ständig beobachtend, ob dieser auch nichts merke, gelang es ihm immer wieder, das Brett zu verschieben, was zur Folge hatte, dass der Meister, der offensichtlich resigniert hatte, so alle 10 Minuten herum die Brettstellung korrigieren musste.
    Noch Stunden nach der Partie stand Meister Balogh der kalte Schweiß auf der Stirn, und er gestand einem Freund gegenüber freimütig ein, dieser sei der schwersterrungene Sieg seiner Karriere gewesen.

Ernst Kürt

Die Sensation ist perfekt: Mr. Bean in Linz!!

Teil 2

Und Bean war einfach nicht zu stoppen, Mr. Bean ist eben Mr.Bean, das ist zwar furchtbar für die andern aber nicht für ihn.
    Mr. Bean verteilt Flugblätter
    An einem der ersten Spieltage des LINZ-OPEN-2003, man hatte gerade den großen Spielsaal geöffnet, stand Atkinson /Bean schon beim Eingang und drückte jedem von uns Eintretenden ein Flugblatt in die Hand, auf dem zu lesen war:


(Maßstab :1:7,5)

    Nun waren wir, was das anbelangt, gänzlicher anderer Ansicht – der Bean ist so ziemlich das Letzte, was der Mensch braucht! Abgesehen vom dieser Falschinformation, waren die Zettel zweifellos mit einem Reizstoff imprägniert worden, denn jeder der einen in die Hand bekam, verspürte sogleich ein starkes Jucken, und einer der Spieler musste sogar verarztet werden, weil er sich beim Kratzen wundgerieben hatte. Bean selbst hatte übrigens, was uns zunächst merkwürdig vorgekommen war, beim Verteilen Handschuhe getragen….
    Die „Quote“ zählt – auch beim Schach!
    Solche „Scherze“ also dachte sich Bean aus, es ist daher nicht verwunderlich, dass sich sehr bald Stimmen mehrten, die ein schärferes Durchgreifen gegen ihn von Seiten des Schiris oder des Turnierdirektors forderten. Aber Prominente genießen nun einmal einen Bonus, insbesondere ausländische, die Beweislage gegen ihn war auch keine 100% zwingende, und da war dann noch etwas, das vielleicht Entscheidende, was die übergroße Nachsicht erklärt, welche die Funktionäre dem Promi-Gast gegenüber lange Zeit an den Tag legten: Der überwältigende Publikumsandrang! Man erzählte sich, noch nie sei ein Österreichisches Schachturnier auf ein nur annähernd so großes Interesse gestoßen! Besonders an den Wochenend–Nachmittagen kamen die Leute in Massen herbeigeströmt, ganze Familien marschierten mit Kind und Kegel auf, um „Bean zu schauen“, zeitweise fanden nicht alle Einlass und mussten auf später vertröstet werden. Und alle profitierten vom Schach – Boom! Der Würstelverkäufer an der Ecke der Straße und der Restaurantbesitzer in der Stadthalle, wo das Turnier stattfand, machten das Geschäft ihres Lebens; der Trafikant gegenüber verkaufte plötzlich auch Schachspiele und führte die Schachzeitung „Schach heute“, ja, er hatte sogar ein riesiges Foto von Bean in der Auslage, das diesen, auf einem Schachbrett sitzend, zeigte; Mag. Ehn im „Standard“ sowie Dr. Stichlberger im „Kurier“ bekamen von ihren Redaktionen eine halbe Spalte zusätzlich zugestanden, um möglichst gründlich über das Linz-Open berichten zu können; Schach war “in“ in Linz, Schach war der große Renner – am wenigsten Beachtung fanden die Meister; Fide-Meister und der eine Großmeister, die, unberührt von dem ganzen Trubel, ernst vor ihren Brettern saßen und tiefsinnige Gedanken wälzten. Doch eine hübsche junge Frau verliebte sich in einen häßlichen alten Schachmeister und die Hochzeit fand 6 Monate später in der Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingsberg statt.
    Mr. Bean ist Weltmeister – im Nasenbohren!
    In der dritten Runde des Linz-Open 2003, gegen MK Bernhard Kellermann, versuchte B. diesen mittels Dauer-Nasenbohrens „fertigzumachen“. Wie? Nur ein simples Nasenbohrens, und das soll schon alles gewesen sein, wo man sich von einem Bean doch wahrlich härtere, schärfere Bandagen hätte erwarten dürfen? Nun, wer so spricht, ist noch nie einem Spieler gegenüber gesessen, der geschlagene drei, vier Stunden hindurch und länger unentwegt, unablässig, unverdrossen in seiner komischen Nase gebohrt, gestiert, herumgewühlt, darin richtiggehend gefuhrwerkt hat, und er ist erst recht keinem Mr.Bean vis-a-vis gewesen, der diese an und für sich einfache Tätigkeit in allen nur möglichen Varianten durchführte, gespickt mit raffiniert ausgedachten Details, zumeist unappetitlicher Natur, womit ich meine Leser wirklich verschonen will. Da schau ich mir den an, der dabei cool bleibt wie ein Schneemann und dessen Nervenenden davon keine bleibenden Schäden davontragen! Selbst ein scharfer Zuruf Kellermanns fruchtete nichts, der Bean nahm halt jetzt den König zu Hilfe, um dessen Spitze er sein Taschentuch wickelte (vielleicht weil er dies für die feine Englische Art hielt) und nun mehr auf diese Weise weitermachte wie bisher. Kellermann ging sich beim Schiedsrichter beschweren, der kam und erteilte Bean eine Verwarnung. Als er sich wieder entfernte, streckte ihm der Mister die Zunge gegen ihn heraus und drehte ihm eine lange Nase. Just in diesem Moment wandte sich der Referee um. Aber er tat so, als habe er nichts bemerkt.
    Was beim Schach spielen vielleicht vollkommen genügt.
    In der vierten oder fünften Runde, ich weiss es nicht mehr genau, passierte Folgendes: Bean begab sich zum Unparteiischen und informierte ihn über eine interessante Beobachtung, die er gemacht habe: Sein Gegner krame hin und wieder in seinem Aktenkoffer herum, hantiere dort mit einem Gegenstand, möglicherweise einem technischen Apparat, und zaubere anschließend geradezu weltmeisterliche Züge auf das Brett. Der Schiri war gezwungen, diesem Vorwurf nachzugehen, er ersuchte Beans Gegenspieler, ihm Einsicht in den Aktenkoffer zu gewähren. Der hatte, so schien es wenigstens, ein reines Gewissen und öffnete ihn. Der Schiri sah hinein-und zog einen Mini-Computer heraus, den er als Beweisstück in der Runde herumzeigte. Der betroffene Spieler war so entsetzt, dass er kein Wort hervorbrachte, immer wieder blickte er auf das Gerät, als habe er eine gespenstische Erscheinung vor sich. Bean hingegen grinste sich eins über das ganze Gesicht; er genoss die Szene in vollen Zügen und orgelte:“ Ich hab`s gewusst. Ich hab`s gesagt.“ Kam es nur mir so vor oder war es tatsächlich der Fall, dass der Schiedsrichter ein wenig ratlos um sich blickte, als erwarte er Hilfe von uns, dass einer etwas bemerkt habe, einem Spieler was aufgefallen sei, an Verdächtigem, Ungewöhnlichem? Aber Schachspieler haben, weiss Gott, etwas Besseres zu tun, als ihre Umgebung aufmerksam in Augenschein zu nehmen, sie starren gebannt auf das Brett mit den 64 Feldern, eine Welt für sich. Was also blieb dem Schiri anderes übrig, als den „Besitzer“ des Computer von der weiteren Turnierteilnahme auszuschließen, aber er tat es mit offensichtlichem Widerstreben und es hätte wohl nicht viel gefehlt und er würde sich dafür entschuldigt haben.- Vielleicht ist es gar nicht notwendig, gut Schach spielen zu können. Vielleicht genügt es vollkommen, seine Gegner gut aus dem Weg zu räumen.
    Ist er ein Schachspieler oder ein Taschenspieler?
    Am darauffolgenden Tag, wir hatten noch nicht lange zu spielen begonnen, klingelte ein Handy, aber nur ganz kurz, kaum hörbar. Bean stand hastig auf, murmelte zu seinem Partner was von: “dringend auf die Toilette müssen.“ Und entfernte sich eilig in Richtung hinterer Saal. Jetzt erscholl von dorther ein Handy-Läuten, aber diesmal laut, schrill in den stillen Saal hinein, nicht endenwollend, der Schiri stürzte herbei, das störende Objekt, um das sich allem Anschein nach niemand kümmert, aufzuspüren, was ihm gelang, denn er zog das, immer noch klingelnde Handy (Kennmelodie: “Spiel mir das Lied vom Tod“) aus der Tasche eines über einem Sessel aufgehängten Sakkos. Auch der Eigentümer des Sakkos war rasch ausgeforscht, ein dicker, verschwitzter Spieler, der ein um das andere Mal seine Unschuld beteuerte, er wisse nicht, wie das Handy in seine Rocktasche gelangt sei, dieses sei nicht das seine, er habe seines überhaupt nicht mit – und was dergleichen an Ausreden mehr sind. Der Turnierdirektor hatte noch vor der ersten Runde, in seiner Begrüßungsansprache, alle Handybesitzer unter den Teilnehmern davor gewarnt, ihr Gerät eingeschalten zu lassen, jede diesbezügliche Ruhestörung würde mit dem Verlust der Partie des Verursachers geahndet werden. Also war eigentlich alles klar, dennoch zögerte der Schiri seine Entscheidung hinaus; er zauderte. Seine Augen suchten den Bean. Doch der saß längst kreuzbrav wieder an seinem Tisch, mit Unschuldsmiene, als könne er kein Wässerchen trüben, und sein lammfrommer Blick signalisierte: Ich hab nichts damit zu tun! Ich doch nicht! Der Schiri erklärte den dicken, verschwitzten Spieler trotz dessen Protests zum Verlierer, doch als er sich wieder auf das Podium zurückbegab, da vermied er es, an Beans Tisch vorbeizukommen und nahm lieber einen Umweg in Kauf, so sehr war ihm dieser Spieler widerwärtig geworden. Mr. Bean indessen zog sein Bein wieder ein, das er bereits ausgefahren hatte, um den Schiri “ein Haxerl zu stellen“, sollte er die Unklugheit besitzen, ihm zu nahe zu kommen.

    3. Teil (Schluss) folgt in der nächsten Ausgabe, mit diesen wichtigen Themen:

    Wo Bean im Spiel ist, bleibt kein Stein neben dem anderen.
    Bean treibt es auf die Spitze – der Schiri bekommt es spitz.
    Gustavson: Ein Schiedrichter lebt auf.
    Das Publikum murrt.
    Bean feiert seinen Abschied.
    Bean in Linz – wer steckte dahinter?
    Und welche sind die nächsten Überraschungsspieler?

Ernst Kürt

Die Sensation ist perfekt: Mr. Bean in Linz!!

Teil 3

Das Schachturnier LINZ OPEN 2003 erregte weit über die Grenzen Österreichs hinaus gewaltiges Aufsehen, uns es wird auch in die Österreichische Schachgeschichte als eines der bemerkenswertesten Turniere eingehen, die je hierzulande gespielt wurden.
Es war nicht allein die Teilnahme des bekannten Britischen Schauspieler Rowan Atkinson, dem mit der Darstellung seines Mr. Bean der künstlerische Durchbruch gelungen ist, die Furore machte, sondern in erster Linie der Umstand, dass der Künstler sich in “bester” Beanschen Manier präsentierte: Atkinson war Bean, wie er leibt und lebt!! Unsere Mitarbeiter (nicht der Computer, der andere) war an Ort und Stelle, spielte (miserabel, wie immer) mit, und so war die STRUB-REVUE in der glücklichen Lage, authentisch über dieses Ereignis berichten zu können.
Mit dem heutigen 3. Teil beenden wir (endlich) unseren Tatsachenbericht. Lesen sie im nächsten Heft: “Von Schachzitaten und schachlichen Taten.”

DER HERAUSGEBER

Wo der Bean ist, bleibt kein Stein neben dem anderen.

Am siebten Spieltag schließlich platzte die Bombe, und dem Schiri platzte endgültig der Kragen. Dabei hatte alles so still und friedlich begonnen. Was halt bei einem Mr. Bean still und friedlich heisst! Aber immerhin hatte er längere Zeit hindurch sich einigermaßen manierlich aufgeführt, ohne die Nervenstränge seiner Mitspieler aufs äusserste zu strapazieren, als er aufstand, um sic die Füße zu vertreten. Und da passierte es! Er stieß dabei nämlich “unglücklicherweise” so heftig gegen den Tisch, dass die Steine allesamt umfielen, über Brett und Tischkante kollerten und zu Boden purzelten. Der Schiri, der schon seit Runden ein wachsames Auge auf seinen “Liebling” geworfen hatte, war sogleich zur Stelle und seine erste Regung war, die Partie als für Bean verloren zu erklären. Doch er überlegte es sich wieder. Gerade weil ihm dieser Spieler so unsympathisch geworden war, wollte er jeden Anschein vermeiden, er lasse sich von seinem Gefühl leiten und natürlich wird eine gewichtige Rolle gespielt haben, dass es sich bei Atkinson/Bean um einen prominenten ausländischen Gast handelte. So sann er nach einem Ausweg und fand ihn. Er beschloss, die Partie bis zur Abruchstellung nachzuspielen und sie sodann fortsetzen zu lassen. Als ihm der Bean mit treuherziger Mine sein Partieformular überreichte, nahm er es dankend entgegen.

Bean treibt es auf die Spitze – der Schiri bekommt es spitz.

Doch schon nach den ersten Zügen protestierte der Gegenspieler auf das lebhafteste: Er hatte ganz andere Züge notiert. Was tun? In dieser schwierigen Situation erwies es sich als wahrer Glücksfall, dass man mit der Leitung des Turniers den erfahrenen und kenntnisreichen Dr. Gustav Gustavson betraut hatte, der früher selbst einmal ein Riesenspieler, wie sich vielleicht etliche unserer Leser entsinnen werden, war. Unbeirrt, Zug um Zug, setzte er das Nachspielen an Hand des Beanschen Formulars fort, aber noch in der Eröffnungsphase kamen ihm starke Zweifel, ein Bean mit seinen lächerlichen 1313 Elopunkten (von ihm angegeben) sollte solche Züge gefunden haben. Und wieder einige Zufolgen weiter, da hatte er sie erkannt, die Partie! Dieser Bean hatte offensichtlich die Unverfrorenheit besessen, anstatt der tatsächlich gespielten Züge eine Meisterpartie aus dem 19. Jahrhundert zu notieren, eine berühmte Partie, die kein geringerer als Emanuel Lasker, 5 Jahre bevor er Weltmeister werden sollte, gegen einen gewissen Bauer gespielt und in deren Verlauf er ein Doppelläuferopfer gebracht hatte, das erste in der Geschichte des Schachspiels! Lasker hatte die weissen Steine geführt und “Schachgenie” Bean, wie könnte es anders sein, ebenfalls. Der Schiri suchte jetzt nur noch auf dem Formular die Züge 15. Lxh7++, 17. Lxg7, und als er sie gefunden hatte, war für ihn alles klar.

Gustavson: Ein Schiedsrichter lebt auf.

Beschwingten Schrittes, sichtlich um Jahre verjüngt, begab er sich aufs Podium zurück, schaltete das Mikrofon ein und bat uns, die Uhren kurzzeitig abzustellen. Sodann verkündete er “mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns” den Ausschluss des Spielers Rowan Atkisons alias Mistkerl Bean – wirklich: er sagte deutlich vernehmbar “Mistkerl” Bean und nicht “Mister” Bean – wegen betrügerischer Manipulation und vergaß nicht hinzuzufügen, es habe schon vorher einige ausschlussreife Situationen gegeben. Anschließend erläuterte der Turnierdirektor mit dürren Worten die Paragrafen, gemäß denen der Ausschluss erfolgt war.

Das Publikum murrt.

Aber das Publikum war mit der Entscheidung gr´ößtenteil nicht einverstanden, es murrte. Wie so oft fanden “die da unten” nicht in Ordnung, was “die da oben” verfügt hatten. Insbesondere die Kids, mit Eltern, Großeltern etc. mitunter von weit angereist, wollten von ihren Begleitern immer wieder wissen: “Warum darf er denn nicht mehr mitspielen?” Für sie waren die Erwachsenen ohnehin allesamt Langeweiler, aber der Mister Bean mit seinem lustigen Gesicht und seinen supergeilen actions war urcool. In einer Ecke des großen Saales stand ein Kinderwagen, und als das Baby vernahm, dass es dem Bean an den Kragen gehe, begann es lauthals zu schreien. Doch auch unter den älteren Jahrgängen schien er durchaus seine Fans zu habean, denn anders wäre es nicht erklärbar dass das (unsinnige) Gerücht aufkam, der Bean habe weichen müssen, weil er durch seine originelle Spielweise die Vorherrschaft der etablierten Meister ins Wanken gebracht habe.

Bean feiert seinen Abschied.

Wie von ihm nicht anders zu erwarten, gestaltete Bean seinen Abgang als großangelegte Show. Freudenstrahlen stand er inmitten des Saales, ganz so, als habe er das Turnier gewonnen, er verneigte sich huldvoll nach allen Seiten hin, grüßte fleissig mit dem V-Zeichen, den spärlich anwesenden Damen warf er Kusshändchen zu, für den Applaus bedankte er sich, indem er zurückapplaudiert, bis er endlich, mit hochgerecktem Arm, wie ein Triumphator von der Stätte seiner Untaten verschwand.

Bean in Linz – wer steckte dahinter?

Den Bean waren wir glücklich los, aber sein Schatten lastete schwer über dem Turnier, bis zum Ende der Veranstaltung. In den Pausen sprachen wir nicht übers Schach, sondern über ihn. War also Atkinson privat genauso wie seine Kunstfigur, der Mr. Bean? Spielte er in seinen Filmen immer nur sich selbst? Oder aber, grässlicher Gedanke, war er eigens für dieses Turnier engagiert worden? Wenn ja, von wem? Wer in aller Welt konnte so boßhaft sein, uns liebenswerten (??) Schachspielern so etwas anzutun? Eine mögliche Antwort könnte lauten: ein Schachfanatiker. Ein vom Schach Besessener, dessen Anliegen es sein mochte, dem Schachspiel wieder jenes spektakuläre Image zurückzugeben, das es einst ind er Ära Bobby Fischer hatte und seither trotz Kasparov und den anderen nie mehr ganz wiedererlangt hatte. Sollte diese Vermutung stimmen, so stünden die Chancen des Sponsors für das Gelingen seines Vorhabens nicht schlecht. Der Turnierorganisator würde, wie schon bisher, sich um die Teilname prominenter Schachmeister bemühen, Aufgabe des Sponsors wäre es, Prominente mit hohem Bekanntheitsgrad von ausserhalb der “Schachwelt” beizusteuern. So würde das Schachspiel zusätzlichen Gesellschaftskreisen geöffnet, die ihm bislang fremd gegenüberstanden. Dass das funktionieren kann, hat das Linz Open 2003 glänzend bewiesen.

Wer sind die nächsten Überraschungsgäste?

Im heurigen Jahr fand das Linzer Turnier ohne Beteiligung eines echten Prominenten stat, aber die Gerüchteküche will wissen, dass der geheimnisvolle Mäzen (Frank Stronach? Dieter Mateschitz? Karl Wlaschke? Baumeister Ing. Richard Lugner? Jedenfalls ein “G’stopfter”) im kommenden Jahr wieder zuschlagen wird. Sollte “DIE MAUSI” antanzen, so wäre die Identitä des Gönners gelüftet, die Maus könnte mit den Männern spielen (für eine Frau keine Schwierigkeit) oder in einem parallel geführten Damenbewerb. Dann wäre wohl auch Busenfreundin JEANINE SCHILLER nicht weit, das Duo könnte noch durch die charmante JAZZ-GITTI zum Trio infernal aufgefettet werden. Auch der appetitliche HERMES PHETTBERG wäre ein optischer Leckerbissen für jeden wahren Schachfreund. Wie wäre es mit NIKI LAUDA und DJ ÖTZI gemeinsam – der ORIGINAL ÖTZI wäre klarerweise noch um vieles besser, was sich aber praktischerweise nicht leicht bewerkstelligen lassen wird – diese beiden also, aber ohne ihre gewohnten Kopfbedeckungen, dafür mit Zylinderhüten geschmückt. Da das Tragen türkischer Kopftücher in Österreich, Gott sei Dank, kein Streitthema darstellt, dürfte auch das Tragen von Österreichischen Zylindern auf keinen ernsthaften Widerstand stoßen. DER BULLE VON TÖLZ beim Linz Open – eine wahrhaft saalfüllende Erscheinung! Ob nun mit oder ohne Frau Mama, Hauptsache: mit seiner hübschen Assistentin Sabrina, das Opfer würde vom Linzer Leichenschauhaus frisch angeliefert, denn ohne Leich kein Mörder, und Sessel werden sie ja in Linz zur Genüge zur Verfügung haben. ARNOLD SCHWARZENEGGER! (Er würde noch besser zum Graz Open passen.) Ein Jubelschrei gellte durch die Menge, wenn unser geliebter “Arnie”, Terminator, Gouverneur und Historiker in Personalunion, in einer Spielpause, unter kraftvoller Anspannung seines Muskelpaketes wieder einmal ein nettes Todesurteil unterfertigen würde. Ob “die steirische Eiche” ausserdem noch Schach spielen kann? Welche Eiche kann das schon wirklich. GEORGE W [d^blju:] BUSH könnten die Grundregeln des Schachspiels in einem Schnellsiedekurs vermittelt werden und wer weiss, wenn er einige Partien gewinnt, ob er nicht auf den Geschmack kommt und seine nächsten Kriege höchstpersönlich auf einem Linzer Schachbrett austrägt? Schlussendlich der Klassiker, der “Hammer” schlechthin, die Österreichische Weltsensation: Das gemeinsame Auftreten von Dr. WOLFGANG SCHÜSSEL und Dr. ALFRED GUSENBAUER bei einem Linz Open! Das wäre Brutalität pur, erst recht, wenn sie gegeneinander gelost würden (wobei man ja dem Zufall etwas nachhelfen könnte.) Was für eine Werbung! War für eine tolle Reklame! Welche Aufwertung der Politik, im Zusammenhang mit der seriösen Schachspiel in Erscheinung zu treten! Nicht auszudenken das mediale Echo, gelänge es zusätzlich DR. JÖRG HAIDER als Oberschiedsrichter zu gewinnen und den weisen Prof. VAN DER BELLEN als Kommentator des Geschehens! Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Es lebe die Nostalgie!

Immer aber erinnert man sich gerne an das Linz Open aus dem Jahr 2003 zurück, jenes mit dem unvergleichlichen Mr. Bean, das im Laufe der Jahre Kultcharakter und die allgmeine Wertsschätzung erringen wird: Dieses erste, nach den Grundsätzen modernen Marketings gemanagte Schachturnier Österreichs, sei das beste von allen Turnieren gewesen. Und ein alter Sager würde sich einmal mehr bewahrheitet haben, der da behauptet: “In Linz beginnt’s.”

Ernst Kürt

Betriebsmeisterschaft 2011/2012

21. Februar 2012



2. SCA Wolfmayer Schnellschachturnier 2012

16. Februar 2012

24. SCA Wolfmayer Cup 2012

16. Februar 2012




Über uns

16. Februar 2012

Erste Schritte und wie es begann!

1990

Als am 11. Februar 1990 um Mitternacht im Gasthaus Krainz die Idee geboren wurde, dort einen Schachklub zu gründen, hielten es manche für eine verrückte Idee, manche wiederum meinten: „Versuchen könnten wir es doch!“

Gründung des Meidlinger Betriebsschachklub „Akustik Wolfmayer“ durch Werner Polley, Mag. Reinhard Walder und Walter Henop (v.l.n.r.)

 

In der Saison 1990/91 scheint zum ersten Mal der Name des Betriebsklubs in den Tabellen des Wiener Schachverbandes auf.

Erste Veranstaltungen!

Am 5. November spielt IM Schlosser im Gasthaus Krainz ein Uhren-Handicap gegen 12 Spieler des neuen Betriebsklub. Der Meister gewinnt alle zwölf Partien. Es folgen weitere Veranstaltungen.

1991

Der Betriebsklub veranstaltet sein erstes offizielles Turnier (ein K – III Turnier) und beginnt damit seine Turnieraktivitäten. Von nun an werden Jahr für Jahr, regelmäßig kleinere Turniere (bis ca. 1600 Elo) stattfinden.

Während des Turniers treten die Schachneulinge Wilhelm Hochenauer (am 25.09.1991) und Markus Strubreiter (am 30.09.1991) dem Klub bei.

1992

Es geht aufwärts!

Mit einem halben Punkt Vorsprung gelingt in der Saison 1991/92 der 1.Meistertitel in der 3. Klasse – Süd!

Im September überredet Markus Strubreiter Dr. Harald Penz, im Gasthaus Krainz vorbei zu schauen. Was folgt ist dessen Anmeldung am 9. November 1992. Harald Penz ist damit der erste Spieler beim Betriebsklub mit weit über 2000 Elo.

Weitere Spieler treten dem Klub bei; u.a. Walter Kralik (25. September) und Karl Strobl (6. Juli).

Der Klub wächst und wächst.

1993

Durch einen kontinuierlichen Mitgliederzuwachs kann der Klub von nun an 3 Mannschaften in der Betriebsmeisterschaft stellen.

1994

Meister in der 2. Klasse (Saison 1992/94) und damit Aufstieg in die 1. Klasse!

1995-1999

Der Weg zum Spitzenschach!

Am 1. Juli 1995 tritt Klaus Neumeier (Bild u.) dem Klub bei. Durch ihn beginnt ein neuer reger Zuwachs von starken Schachspielern beim SCA Wolfmayer. Es folgt Aufstieg über Aufstieg. Schließlich schafft man es in die zweithöchste Spielklasse: die B–Liga.

2000

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum wird die Spitzenmannschaft des Klubs Meister in der B-Liga.

B-Liga Betriebe 1999/2000:

Der SCA Wolfmayer spielt damit in der Saison 2000/01 zum ersten Mal in der höchsten Spielklasse von Wien. Es hat genau 10 Jahre gedauert, von der niedrigsten Spielklasse (Saison 1990/91) in die höchste Spielklasse der Wiener Betriebsmeisterschaften aufzusteigen.

2001-2009

Im Jänner 2002 erreicht uns die traurige Nachricht, dass Rudolf Wolfmayer am 12. Jänner verstorben ist. Rudolf Wolfmayer hatte den Schachklub bis zu seinem viel zu frühen Ableben unterstützt. Mit seiner Hilfe war es möglich, eine fixe Größe in der Wiener Schachszene zu werden.

2010

Der Klub erreicht sein bisher bestes Ergebnis und wird Vizemeister hinter Franz Nuschei.

Vizemeistermannschaft:
GM Kostic Vladimir                  Pichler Michael
IM Weinzettl Ernst                    Wanderer Thomas
IM Ganaus Hannes                    Lucaci Marius
FM Neumeier Klaus                  Strubreiter Markus
FM Penz Harald                        Eidenberger Otto
FM Wallner Jochim                   Kralik Walter
FM Weissenbeck Manuel          Hrosinek Heinz
WIM Kopinits Anna-Christina

2010/2011

Neubeginn: Zurück zu den Wurzeln!

In den Jahren 2002 bis 2010 musste der Klub auf einige von Sponsoren abhängige Namensänderungen eingehen und etliche Lokalwechsel durchführen. Im Dezember 2010 ist der Schachklub nun wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.

Gespielt wird ab Jänner 2011 im Meidlinger Kult–Lokal: „Cafe zum Leopoldi“ in der Ruckergasse 52 (1120 Wien). Damit spielt der Meidlinger Schachklub wieder fast an jenem Ort, wo alles begonnen hatte.

In dankbarer Erinnerung an den großen Meidlinger Rudolf Wolfmayer nimmt der Klub in der Saison 20011/12 wieder seinen ursprünglichen Namen „Schachclub Akustik Wolfmayer“ an und geht mit 3 Mannschaften ins Meisterschafts-Rennen.

Präsident Werner Polley, Urgestein und Seele des Klubs, erklärt zum Jahreswechsel, dass die Zeit des Reisens und der Namensänderungen nun vorbei ist, und dass er alles daran setzen wird, dass der Klub von nun an wieder in Meidling sesshaft bleibt.

Am 28 März stellt Markus Strubreiter ein von ihm kreiertes Logo für unseren alten und neuen Schachklub vor.

Der Schachklub dankt all jenen, die die letzten 20 Jahre möglich gemacht haben!